?cup of tea?

Tee-Erlebnisse in anderen Ländern

- Tee

Lothar Schumacher: Meine Tee-Erlebnisse in anderen Ländern

Als Mitherausgeber dieses Portals hat es mich in den Fingern gejuckt, meine Tee-Erlebnisse in anderen, zum Teil fernen Ländern niederzuschreiben. Viele Erlebnisse liegen Jahrzehnte zurück, sind aber eine bleibende Erinnerung.

1958 war ich 17-jähriger Gymnasiast, hatte eine Eins in Englisch (und eine Fünf in Mathe) und es drängte mich nach Irland. Per Autostop habe ich England durchquert, dann kam ich mit der Fähre in Dublin an ? und wunderte mich, dass ich mit meinem ?sehr gut? in Englisch nicht sonderlich weit kam. Die Iren bestaunten meine Lederhose, identifizierten mich als Deutschen, sprachen mich an und luden mich an jeder Ecke zu einer ?cup of tea? ein.

Auch wenn die Iren allenthalben auf die Engländer schimpften ? das Teetrinken haben sie von den Briten übernommen. Ab und an war ich die Jugendherberge leid und leistete mir ?bed and breakfast? ? und fiel aus allen Wolken, als mich eine nette irische Mutti um 6.00 Uhr weckte und mir ein Kännchen mit ?early morning tea? ans Bett brachte. Zurück in Deutschland, wollte ich keinen Malzkaffee mehr trinken, den mir meine Mutter kochte, weil ?echter Kaffee? für Kinder ungesund sei. Ich war damals ein ?Kind? von knapp 18 Jahren und hatte natürlich in Irland gelernt, neben Tee auch Whiskey zu trinken, wobei ich nach drei Whiskeys sogar dem Guiness-Bier etwas abgewinnen konnte.

Der Tee auf der Hochzeitsreise nach Dubrovnik

In den frühen 60er Jahren flog ich nach Jugoslawien ? und zwar in der ersten Düsenmaschine, die die staatliche jugoslawische Fluggesellschaft in Betrieb genommen hatte. Die Stewardessen glühten sozusagen vor Stolz, dass die Propellerfliegerei nun ein Ende hatte. Meine frisch angetraute Ehefrau hatte gehört, dass der Kaffee in Jugoslawien ungenießbar sei. Es stellte sich heraus, dass die Jugoslawen das ganz anders sahen. Wir jedenfalls tranken Tee ? und zwar mit reichlich Zitrone. Der Tee ohne Zitrone war nämlich für unsere Zungen ebenfalls das Gegenteil von Genuss. Im Grunde tranken wir zum Frühstück dauernd heißen Zitronensaft mit der Illusion von Tee. Wir sind aber über die Runden gekommen und haben uns am sehr gut schmeckenden Grk-Wein, einem Weißwein aus der Region, schadlos gehalten. Wir lernten ein älteres Ehepaar aus England kennen. Der Herr trug einen martialischen Schnauzbart, war ehemals Brigadier in der britischen Armee und meine, die Vergewaltigung von Teeblättern sei eigentlich ein triftiger Grund, Tito (dem damaligen Staatschef) den Krieg zu erklären. Dubrovnik gehört heute zum selbständigen kroatischen Staat und ich darf aus eigener Erfahrung hinzufügen, dass sich die Qualität des Tees dort wesentlich verbessert hat.

Im Schlafwagen von Moskau nach Leningrad

Fünfzehn Jahre später flog ich mit einer Gruppe von Geschäftsfreunden nach Moskau und von dort weiter mit dem Zug nach Leningrad. In Russland tranken wir alle Tee, und der kam aus Indien. Das Sowjetreich stand damals in der indischen Politik hoch im Kurs. An Kaffee aus kapitalistischen Ländern kamen die devisenschwachen Russen kaum heran ? aber Tee gab es mehr als ausreichend, wenn auch nicht immer der besten Provenienz. War es in Irland der ?early-morning-tea?, der mich in Erstaunen versetzt hatte, so war es in Russland der Tee aus einem dampfenden Samowar, den die Abteilschaffnerin im Schlafwagen Moskau-Leningrad bediente. Gegen 6.00 Uhr jedenfalls wurde ich von einem allgemeinen Rumoren wach. Die mitreisenden Russen traten im Schlafanzug oder im Bademantel in den Gang und holten sich bei der Schaffnerin eine Tasse Tee, den sie im Stehen im Gang tranken. Sie schwatzten miteinander, rauchten eine Zigarette und waren allesamt guter Laune. Da stand ich ausgewiesener Morgenmuffel nun in meinem allseits bestaunten japanischen Kimono ebenfalls Tee trinkend im Gang und siehe da: Von Schluck zu Schluck heiterte sich mein Gemüt auf. Oder lag es nicht am Tee, sondern an der liebreizenden Schaffnerin namens Irina?

In Indien: striktes Alkoholverbot, aber jede Menge Tee

In Indien hatte ich 1974 schnell ?den Bogen raus?, dass sich eiskalte Getränke in der schwülen Hitze sofort als dicke Schweißperlen auf der Stirn bemerkbar machen. Einige Reiseteilnehmer lechzte es nach Bier ? Pech gehabt, in den meisten indischen Bundesstaaten herrschte damals striktes Alkoholverbot. Und so wurde denn jeder aus der Reisegruppe zum Teetrinker. Wir waren Gast im Palast eines Maharadschas. Es gab Tee ? und was für ein aromatischer! ? und wer wollte, der konnte auch Mineralwasser ?on the rocks? bekommen. Einen ?Whiskey on the rocks? gab es aber auch bei Maharadschas nicht und wenn doch, dann müsste ihn der Maharadscha heimlich getrunken haben. Tee ist in Indien das Getränk der Armen wie der Reichen, es gibt ihn allerorten. Und da Tee heiß aufgebrüht wird, ist die Gefahr gebannt, sich an unreinem Wasser eine Lebensmittelvergiftung zu holen.

In Indien habe ich es übrigens gelernt, mit den Fingern zu essen. Hauchfeine Chapati-Fladen werden vom Speisenden in Streifen gerissen und mit den Streifen wird Gemüse und Reis umwickelt und in den Mund geschoben. Meine ersten Essversuche auf indische Art lösten höfliches Gekicher aus; nach drei Tagen hatte ich gelernt, die Speisen auf indische Art zu genießen. Die Inder, sofern sie Hindus sind (und das sind 80 %), glauben an die Seelenwanderung und verzehren kein Fleisch. Das international bekannte Gericht ?Chicken à la Bombay? wird in Bombay schon mal gar nicht zubereitet ? es sei denn bei den Indern islamischen Glaubens. Sieht das ein Hindu, dreht sich ihm der Magen um.

Als Dubai noch einigermaßen überschaubar war

1996 war Dubai noch einigermaßen überschaubar. Ich war Teilnehmer einer Delegation von Tourismusexperten, die von einem Minister empfangen wurde. Der war natürlich ein Scheich und Mitglied des Herrscherhauses; der Name ist mir entfallen. Wir saßen an einem großen ovalen Tisch, vor uns Teegläser, die kaum mehr Fassungsvermögen als ein Eierbecher hatten. Bevor überhaupt eine Diskussion in Gang kam, musste der Willkommenstee getrunken werden. Ein prächtig orientalisch gekleideter Tee-Zeremonienmeister schritt von Gast zu Gast und goss schwungvoll aus silberner Teekanne honigsüßen, heißen Tee in die Gläser. Das muss der Zeremonienmeister jahrelang geübt haben, denn kein Tropfen geriet auf die blütenweiße Tischdecke. Wir tranken also alle unseren Tee, wie man anderswo einen Begrüßungssekt getrunken hätte ? und damit waren wir arabischer Tradition zufolge eingeladene Gäste des Hausherren. Dieser sprach perfekt Englisch und ermunterte uns, in Dubai zu investieren. Das hat keiner von uns getan, sei es wegen knapper Mittel, sei es wegen der mörderischen Hitze.

Türkischer Apfeltee und das Medizinstudium in Deutschland

Natürlich war und bin ich auch als normaler Tourist unterwegs ? mit Frau und mit oder ohne Kind. In einem türkischen 5-Sterne-Hotel rollte nach dem Abendessen der ?Teemann? durch die Lobby und verkaufte heißen Apfeltee. Ähnliches wird jeder Türkeiurlauber erlebt haben. Bei mir ist das abendliche Tee-Ritual insofern in Erinnerung geblieben, als der wie ein Pascha malerisch verkleidete ?Teemann? gut deutsch sprach. Er war einmal Gastarbeiter in Deutschland gewesen. Nach und nach wurden unsere Gespräche persönlicher. Und eines Tages erfuhr ich, dass er mit dem Verkauf seines Apfeltees das Medizinstudium seiner Tochter in Deutschland finanzierte. So trank ich dann auch schon mal ein zweites und drittes Glas, um einer zukünftigen Ärztin etwas Gutes zu tun.

Inzwischen hätte ich die Geduld für eine japanische Teezeremonie

Wie man weiß, wird in Japan das Alter geehrt. Japanische Spitzenmanager gehen nicht selten auf die 80 zu. Das lässt mich hoffen. Ich habe inzwischen ein weises Alter und die Geduld erreicht, eine japanische Teezeremonie zu überstehen. Was mir nur noch fehlt, das ist eine Geisha, die mir den Tee zubereitet. Im Straßenkarneval 2010 ist mir in Köln eine süße Geisha über den Weg gelaufen. Die entpuppte sich aber als ?rheinisch Mädsche?, wollte von Tee und von mir nichts wissen und behauptete von sich, sowieso nur Prosecco und allenfalls Kaffee zu trinken. Mit Kaffee trinkenden Geishas kann ich beim besten Willen nichts anfangen.

Foto(s): © Karin Jähne / pixelio.de

 

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