Wilma Maria Regina Gräfin von Westphalen
Ganz schwach kann ich mich noch an den Werbeslogan von „Klosterfrau Melissengeist“ erinnern: Nie war er so wertvoll wie heute! Melissengeist habe ich noch nie genossen, wohl aber im vorigen Monat die ersten Sonnenstrahlen nach einem langen, nassen und trüben Winter.
Da haben viele lange Gesichter gemacht, weil die Umsätze gleich Null waren. Wer bestellt schon im März einen Strandkorb für seinen Garten, wenn eben dieser Garten noch mit Schnee bedeckt ist – da kann der Prospekt mit Gartenmöbeln noch so sonnig daher kommen.
Und wer hat Lust, sich die neue Bademoden-Kollektion auch nur anzusehen, geschweige denn zu kaufen, wenn es draußen verlässlich um die drei Grad minus bis drei Grad plus ist?
Nie war er so wertvoll wie heute – der Sonnenschein! Die Menschen haben sich nach Sonne gesehnt wie nie. Und wer gerade Geld und Zeit hatte, der flog nach Marokko oder auf die Kapverdischen Inseln.
Wärmekabinen mit „Vital-Light-Strahlern“, Dampfbad oder Sauna – alles schön und gut. Aber kein Ersatz für echten Sonnenschein.
Da hilft allenfalls ein ganz persönlicher Sonnenschein auf zwei Beinen – und den wünsche ich jedem meiner Leserinnen und Leser.
Ihre…
Graz ist die zweitgrößte Stadt Österreichs, hat aber „nur“ etwa 250.000 Einwohner. Und das tut der Stadt gut und allen, die der steirischen Landeshauptstadt einen Besuch aus genießerischen oder kulturellen Gründen abstatten wollen. Denn alles ist in Graz übersichtlich und zu Fuß oder mit der Tram oder auf dem Fahrrad (in Hotels zu leihen) schnell zu erreichen. An der „Inneren Stadt“, also der Altstadt, führt kein Weg vorbei. Sie ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Und der Schlossberg nicht minder, der über der Stadt thront und ganz bequem mit einem Lift aus der „Inneren Stadt“ erreichbar ist. Wer will, kann natürlich hinauf kraxeln.
Graz an der Mur, im Hintergrund der Schlossberg
Die Grazer Innenstadt ist voller LebenWas den Genuss angeht, so bezeichnet sich Graz selbstbewusst als „Genuss Hauptstadt“ und hat dem kulinarischen Genuss eine ausgiebige Internet-Präsentation gewidmet. Da gibt es kulinarische Führungen, im Spätsommer eine „Lange Tafel des Genusses“ oder im Sommer für die Touristen, die auf einer Wiese am Schlossberg oder sonst wo picknicken wollen, einen Picknick-Korb mit steirischen Spezialitäten.

Wir haben ausgezeichnet gespeist im „Hofkeller“ auf der Hofgasse 8 und in der „aiola city“ auf dem Marktplatz 1. Die Dependance „aiola upstairs“ liegt „upstairs“ auf einer Plattform des Schlossbergs, leidet aber etwas am sehr unterschiedlichen Niveau der Gäste, die als Touristen den Schlossberg erklommen haben und verschwitzt vor den Leinen-Servietten hocken. Das typisch Steirische findet man im rustikalen „Krebsenkeller“ auf der Sackstraße und im „Landhauskeller“ auf der Herrengasse. Und auf der Stubengasse ist man für den kleinen Hunger bei „Feinkost Mild“ gut aufgehoben, einem Beisel, wo gute Butterbrote geschmiert werden und ein sehr akzeptabler Mittagstisch geboten wird. Die Prinzipalin Rose Mild (siehe Foto), eine Grazer Institution, setzt sich auch an den Tisch sympathischer Gäste und zitiert Ringelnatz und andere Poeten, dass eine Hofschauspielerin neidisch werden könnte. Ihr Neffe Thomas Pagel dirigiert inzwischen das liebenswerte Etablissement und will das Flair dieses kleinen Lokals erhalten.
Kommen wir nun zu den kulturellen Genüssen. Nicht nur die Wiener san theaternarrisch, die Grazer sind es auch. Oper und Schauspielhaus haben ein hohes Niveau – an fünf Spielstätten werden auch Operette, Musical und Ballett gepflegt. Einzelne Aufführungen zu beschreiben, ist hier nicht der Ort, denn das Programm wechselt natürlich ständig. Erfreulich, dass Oper und Schauspiel auch von jungem Publikum aufgesucht werden, das nicht in zerfransten Jeans auftaucht, sondern festlich gewandet ist.
Das Theater im Bahnhof und das Orpheum gehören fest zum Grazer Kulturleben. Wer zum Wochenende anreist, sollte unbedingt bis Montag verlängern und „Montag“ besuchen, eine Improvisationsschau, die jeden Monat im Theater am Bahnhof über die Bühne geht. Auf Stichwort aus dem Publikum wird improvisiert, es gibt viel zu lachen und viel Applaus für das sprachliche, pantomimische und akrobatische Können der Schauspielerinnen und Schauspieler. Nicht vergessen werden sollte das Mezzanin Theater, eine experimentelle Bühne für Kinder, Jugend und Erwachsene. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und von Deutschland aus vier Vorstellungen verschiedener Bühnen gebucht – es klappte reibungslos, weshalb wir Ihnen gerne den Link zur Kartenreservierung präsentieren.


Über die Grazer Museen und jene Bauten, die Graz zu einer Designer-Hochburg gemacht haben, wird an anderer Stelle zu berichten sein. Unbedingt sollte der Grazbesucher aber das Schloss Eggenberg besuchen. Eine wunderschöne Ahornallee führt dorthin, im Park schreien die Pfauen und schlagen ein Rad, um den Touristen zu imponieren und „Fressfeinde“ abzuschrecken. Die Beletage mit dem Planetensaal und 24 Prunkräumen (täglich vier Führungen) sind ein gestalterischer Genuss, denn das (längst ausgestorbene) Geschlecht der Eggenberger hat es verstanden, alle Räume einem antiken oder barocken Thema zu widmen, so dass beim Besucher keine Langeweile aufkommt und er darüber sinnieren mag, ob die an die Wand gemalten Schäferspiele auch in einem Schäferstündchen endeten oder nicht.
Und wo wohnt man in Graz? Im „Weitzer“ direkt an der Mur, im „Erzherzog Johann direkt am Hauptplatz, im „Gollner“ am Rand der Fußgängerzone oder im Schlossberghotel, wobei letzteres wunderschöne Terrassengärten zu bieten hat, in denen man bei schönem Wetter frühstücken kann.
Fotos: www.fotografen-online.deDieser Artikel wurde noch nicht kommentiert - seien Sie Erster!
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